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  • Klaus Heinzel

Rückblick auf das Bienenjahr 2019

Aktualisiert: 28. Okt. 2021


Alle reden vom Wetter. Das tun natürlich auch die Imker. Die Bienengesundheit und der Honigertrag werden stark durch das Wetter beeinflusst.


Der Start in das Jahr 2019 erfolgte mit einem relativ milden Winter. Bereits im Februar waren – regional unterschiedlich – an vielen Standorten ungewöhnlich hohe Temperaturen zu verzeichnen. Den Bienen bot sich ein breites Pollenangebot. Dadurch stimuliert erfolgte bereits im Februar eine intensive Brut. 


Im März und April wurde die Entwicklungsdynamik erheblich eingeschränkt. Ungewöhnlich kaltes Wetter und hohe Niederschläge verzögerten die Tracht und behinderten den Ausflug der Bienen.



Rückblick auf das Bienenjahr 2019 | Stiftung concordia Natura
Rückblick auf das Bienenjahr 2019 | Stiftung concordia Natura


Imker berichteten, dass durch diese Notsituation bei betroffenen Standorten die Brut durch die Ammenbienen ganz oder teilweise aufgefressen wurde. Auch wurde vermehrt beobachtet, dass zu diesem frühen Zeitpunkt im Jahr bereits die „Drohnen“ aus dem Stock verbannt wurden.


An den meisten Standorten konnte beobachtet werden, dass die Königinnen erheblich weniger Stifte setzten. Das „schlechte“ Wetter zog sich bis in den Mai hinein, in dem, früher als gewöhnlich, Völker bereits zum Schwärmen neigten. In Waldgebieten konnte, wie zyklisch jede 5-7 Jahre festzustellen ist, eine intensive Baumblüte verzeichnet werden. Fast parallel dazu begann durch stark steigende, sommerliche Temperaturen in der zweiten Maihälfte die Obstbaumblüte. Das Potenzial konnte, vor dem Hintergrund z.T. schwacher Völker und der Vielfalt des großen Angebotes, nicht voll genutzt werden.


Der Sommer gestaltete sich eher trocken, aber nicht vergleichbar mit dem Sommer 2018.


Erfreulicherweise sind immer mehr Blühstreifen und blühende Felder anzutreffen, sodass trotz des vielen Grüns ein – begrenztes - Trachtangebot für die Bienen vorhanden ist. Ein Anfang ist an vielen Stellen gemacht.


Der Herbstwetter zeigte sich ohne Kapriolen und der Temperaturrückgang war jahreszeitgemäß zu beobachten.



Honigernte


Wenige Imker äußerten sich über zufriedenstellende Ergebnisse. Insgesamt blieben die Erträge fast überall deutlich unter denen des Vorjahres. Dafür ist das nasskalte Frühlingswetter verantwortlich. Auch ohne Honigentnahme mussten  - regional unterschiedlich – Imker bereits Ende Mai – Mitte Juni füttern.


Bienengesundheit


Das zentrale Thema unserer Stiftung concordiaNATURA ist die Bienengesundheit. Korrekterweise müssen wir über die „Insektengesundheit“ reden. Leider gibt es hier aus dem vergangenen Jahr keine positiven Nachrichten. Eine Studie des "Entomologischen Vereins Krefeld", die bereits 2017 erstmalig veröffentlicht wurde, lässt aufschrecken. Diesen Zahlen zufolge nahm die Gesamtmasse an Fluginsekten in Teilen Deutschlands von 1989 bis 2016 um mehr als 75 Prozent ab. Auch andere Studien zeigen, dass viele Insektenarten betroffen sind. Neben den Bienen geht es auch um Schmetterlinge, Köcherfliegen, Laufkäfer, Ameisen und ander Arten. Im vergangenen Sommer brauchte man für das Feststellen dieser Entwicklung kein Labor. Beim Hinschauen auf Straßenlaternen oder auch beim Säubern der Windschutzscheibe fiel auf, dass die Anzahl der Insekten weiter deutlich abnimmt. 


Es gibt mehrere Gründe für diese alarmierende Entwicklung, die sich unverändert weiterentwickelt, die eine Rolle spielen. Fachleute und Wissenschaftler sehen als Hauptverursacher die weiter zunehmende Intensivierung der Boden- und Pflanzenbearbeitung in der Agrarindustrie. Komplette „Naturland-schaften“ werden Äckern geopfert, die kein Nahrungs- und Brutstättenangebot für Insekten bereithalten. Hier werden von den sogenannten Energiebauern häufig auch keine Nahrungsmittel für Tier oder Mensch mehr angebaut. Damit einhergehend findet eine weitere Umgestaltung der Naturlandschaften statt. Die „bunte Vielfalt“ ist in den meisten Anbauflächen nicht zu sehen. Die Insekten leiden zudem an dem ungebrochenen Einsatz von Pestziden. Pestizide, die Nikotenoide enthalten sind für unsere Bienen hochgradig  giftig.


In dieser Thematik ist keine kosmetische Behandlung gefragt. Es geht um ein Umdenken im Umgang mit der Natur, für die wir als Menschen verantwortlich sind. Verbote von nachweislich und erwiesenermaßen hochtoxischen Stoffen, die dann trotzdem noch bis Ende 2023 genutzt werden dürfen sind nicht der Weg, der Erfolg für eine Umkehrung des Trends verspricht.


Aber es gibt auch positive Nachrichten. Als Erfolg ist zu verbuchen, dass innerhalb eines beschlossenen Aktionsprogramms der Bundesregierung, ein bundesweites Insektenmonitoring durchgeführt werden soll um das Ausmaß und die Ursache des Insektensterbens weiter zu erforschen. Ab 2020 soll es umgesetzt werden (nach einer Erprobungsphase).


Positiv bewerten wir auch die Anstrengungen von Städten und Gemeinden, die sich in Ihrem Bereich für artenschützende Maßnahmen engagieren. Das betrifft Umgestaltung von Wegen, Spielplätzen, Friedhöfen, Parks, Uferflächen, usw. Bereits 500 Städte und Gemeinden verzichten inzwischen ganz auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Giften (Quelle dpa). Für interessierte Kommunen hält der BUND eine informative Broschüre bereit.


An dieser Stelle hier auch nochmals der Appell an alle Garten-Terrassen- und Balkonbesitzer. Jede „wilde Ecke“ im Garten, jede, auch noch so kleine Bienenweide hilft. Und ganz nebenbei hat man noch die Freude am Summen, Brummen und farbenfrohen Blüten.


Das Maßnahmenpaket des Gesetzgebers sieht eine Reduktion der Pflanzenschutzmittel bis 2030 um 40 bis 50 Prozent vor. Der Anteil des Biolandbaus soll dem Vernehmen nach bis 2030 um 30 bis 40 Prozent steigen - allerdings unter Berücksichtigung der Nachfrageentwicklung. Man steht im Dialog und das ist gut so.


​In verschiedenen Regionen wurden im vergangenen Jahr den Veterinärämtern mit der „Amerikanischen Faulbrut“ befallene Völker gemeldet. Über die Ursachen dieser vermehrt auftretenden, für die Völker tödlichen Bienenkrankheit, bestehen keine gesicherten Erkenntnisse.


​Als vermutlich wirksamste Methode gegen den Befall der Bienen mit der Varroamilbe  empfehlen wir die Behandlung mit Oxalsäure, die mit Beginn der kalten Jahreszeit erfolgen sollte. Mit dieser Empfehlung schließen wir uns etablierten Institutionen im Bereich der Forschung an der Bienengesundheit an (z.B. Universität Hohenheim, Landesanstalt für Bienenkunde). Bei Bedarf stellen wir Ihnen gerne entsprechende Informationen zum Ablauf der Behandlung kostenlos zur Verfügung.


Der Varroabefall ist nach wie vor eine sehr ernstzunehmende Gefahr für die Bienen.  Wir empfehlen bereits Ende Juni/Anfang Juli eine gründliche Überprüfung der Varroabelastung in allen Völkern. Stichproben reichen nicht aus.


An dieser Stelle sei vermerkt, dass wir teilweise den Eindruck gewinnen, dass Imker eine gewisse „Ausfallquote“ in dem Bestand ihrer Völker als „normal“ erachten. Wir teilen diese Meinung keinesfalls. Gerade in einer wesensgerechten Bienenhaltung sollte es gelingen die Bestände über Jahre hinweg weitgehend stabil zu halten. Lassen Sie uns an diesem Ziel weiterarbeiten.



Fazit

Wir stellen eine erfreuliche, zunehmende Sensibilisierung in breiten Bevölkerungskreisen und bei Politikern fest. Die Stiftung concordiaNATURA wird sich auch weiterhin für eine Verbesserung der Situation einsetzen.



Klaus Heinzel


im Januar 2020   

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