PFLANZENPORTRÄT: BASILIKUM (ocinum basillicum)

wenn ein Küchenkraut zur Blütenweide wird
Basilikum verbinden wir vor allem mit Sommer, mediterraner Küche und seinem unverwechselbaren Duft. Doch die Pflanze kann noch mehr: Lässt man sie blühen, wird aus dem beliebten Küchenkraut eine Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten. Ein unscheinbarer Beitrag – und zugleich ein schönes Beispiel dafür, wie Naturschutz im Kleinen beginnen kann.

Blüten statt Schere
Für die Küche werden Basilikumpflanzen häufig regelmäßig zurückgeschnitten. Die Blütenstände werden entfernt, damit möglichst viele junge Blätter nachwachsen.
Wer jedoch einige Pflanzen bewusst wachsen lässt, entdeckt eine andere Seite des Basilikums. Aus den grünen Blättern entwickeln sich kleine Blütenstände mit weißen, rosafarbenen oder violetten Blüten.
Für uns sind sie vielleicht unscheinbar. Für blütenbesuchende Insekten können sie dagegen interessant sein.
Was für den Gärtner wie das Ende der Ernte aussieht, kann für Insekten der Beginn eines neuen Nahrungsangebots sein.
Jede Blüte zählt
Bienen sind auf Blüten angewiesen. Nektar liefert ihnen vor allem Energie, Pollen wichtige Nährstoffe, insbesondere Eiweiß. Dabei ist nicht allein die Menge des vorhandenen Futters entscheidend. Auch die Vielfalt und zeitliche Verfügbarkeit unterschiedlicher Blüten spielen eine wichtige Rolle.
Eine Landschaft, in der vom Frühjahr bis in den Herbst hinein unterschiedliche Pflanzen blühen, bietet Bienen und anderen Insekten bessere Möglichkeiten, Nahrung zu finden. Auf unserem Forschungsstützpunkt blüht es auch jetzt im September noch üppig.
Basilikum leistet dazu einen Beitrag. Natürlich kann ein Basilikumtopf keine artenreiche Wiese ersetzen. Aber Naturschutz besteht nicht nur aus großen Flächen. Auch Gärten, Balkone und kleine Blühinseln können das Nahrungsangebot ergänzen.
Viele solcher kleinen Flächen ergeben zusammen ein Mosaik, das für Insekten wertvoller sein kann als eine Landschaft, in der nur wenige Pflanzenarten blühen.

Bienengesundheit braucht Vielfalt
Wenn von Bienenschutz gesprochen wird, steht häufig die Honigbiene im Mittelpunkt. Doch unsere Landschaft ist Lebensraum für eine große Vielfalt an Wildbienen und anderen Insekten. Ihre Ansprüche an Nahrung, Nistplätze und Lebensräume unterscheiden sich teilweise erheblich. Deshalb gibt es auch beim Bienenschutz keine einzelne „Wunderpflanze“.
Was Bienen brauchen, ist Vielfalt: vielfältige Blüten, vielfältige Lebensräume und möglichst durchgängige Nahrungsangebote.
Dazu gehören artenreiche Wiesen und Säume ebenso wie Hecken, blühende Gehölze und naturnahe Gärten. Ein kompletter Verzicht auf den Einsatz sogenannter Pflanzenschutzmitteln ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil eines insektenfreundlichen Umfelds.
Basilikum kann in diesem Netzwerk eine kleine Ergänzung sein – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Küche und Naturschutz müssen kein Gegensatz sein
Wer Basilikum liebt, muss sich deshalb nicht zwischen frischen Blättern und blühenden Pflanzen entscheiden.
Eine einfache Lösung: mehrere Pflanzen anbauen.
Ein Teil darf weiterhin regelmäßig geerntet werden. Einige Exemplare lässt man dagegen bewusst wachsen und blühen. So bleiben aromatische Blätter für die Küche und gleichzeitig Blüten für die Insekten.
Noch besser funktioniert dieses Prinzip, wenn Basilikum mit vielen anderen Pflanzen kombiniert wird. Unterschiedliche Kräuter, Stauden, Wildpflanzen und Gehölze können zu verschiedenen Zeiten blühen und gemeinsam ein möglichst kontinuierliches Nahrungsangebot schaffen.
Naturschutz beginnt vor der eigenen Haustür
Ein naturnaher Garten muss nicht vollkommen verwildert sein. Oft sind es kleine Entscheidungen, die einen Unterschied machen.
Eine Blüte stehen lassen. Eine Ecke weniger häufig mähen. Heimische Pflanzen setzen. Verblühte Stauden über den Winter stehen lassen. Auf Pflanzenschutzmittel verzichten. Unterschiedliche Pflanzen miteinander kombinieren.
Und eben: Basilikum blühen lassen.
Auch auf einem Balkon oder einer Terrasse ist das möglich. Ein paar Kräutertöpfe und blühende Pflanzen können zu kleinen Trittsteinen für Insekten werden.
Das ersetzt keinen hochwertigen Lebensraum in der freien Landschaft. Aber es schafft zusätzliche Nahrung und macht deutlich, dass Naturschutz nicht erst irgendwo weit draußen beginnt.

Mit Küchenkräutern etwas für den Naturschutz tun?
Von uns ein ganz klares JA als Antwort auf diese Frage. Basilikum zeigt auf besonders anschauliche Weise, wie eng unser Alltag mit dem Zustand unserer Umwelt verbunden ist.
Wir pflanzen es für uns. Wir ernten seine Blätter. Wir genießen seinen Duft und Geschmack.
Und wenn wir einen Teil der Pflanzen blühen lassen, geben wir etwas zurück.
Die einzelne Basilikumblüte wird die großen Herausforderungen für Bienen und andere Insekten nicht lösen. Doch sie steht für einen wichtigen Gedanken: Lebensräume entstehen durch Vielfalt – und Vielfalt beginnt oft mit kleinen Schritten. Naturschutz beginnt ganz einfach damit, dass wir einer Pflanze erlauben, ihren natürlichen Weg zu gehen.
Herzliche Grüße und be(e) good,
Ihr/Euer
Klaus Heinzel




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